plexiglasküsse

zum ersten mal in der klapse.
schöne wände, lauter nette menschen rings um mich.
und wie sie sich freuen, das ich munter werde.
wenn sie was sagen, mit so ganz sanfter ruhiger engel’s stimme dann berühren sie mich immer. lieb sind sie, obwohl ich glaube, dass es jetzt reicht.
ich bin ja nicht blöd.
seltsame party, denk ich mir und seh mich erst mal um. alle sind irgendwie gleich angezogen, außer ich.
womöglich fasching oder swingerclub mit dresscode.
welche von den schwestern wird wohl mein nächstes opfer sein.

puh, it smells very funny.
schnuppernd schau ich um mich und will aufstehen.
das bin ja ich. alk, ziggis, womöglich pott und körperflüssigkeiten.
vermutlich meine und die der party-people rings um mich.
mir dünkt die party ist zu ende.
alle sind irgendwie so – scheiße drauf.
stechende schmerzen überall.
maybe sm party.
das aufstehen fällt etwas schwer, in so ner art gitterbett für erwachsene. zwei menschen flüstern und schreiben etwas auf ihre blöcke.welche art party war das noch mal?
wer bin ich?
wieso bin ich die einzige, die hier liegt. das kann nicht gut sein.
ich check aus.
die tanten, die jetzt im hellen neonlicht um mich herum stehen und mich zutexten gefallen mir immer weniger, vermutlich die abtreibungsgegner oder die luschen vom wachturm.

„schleicht’s euch, ihr ficker, die party is zu ende, elvis has left the building!” maule ich die zombies an und krabble aus meinem käfig!
die obertante ergreift das wort: „mein liebes fräulein, wie geht’s ihnen denn, sie sind ja schon munter!”
is die alte deppat. die hat mir sicher was ins glas getan.
„danke, prima – ruf mir ein taxi.“
„taxis sind zur zeit alle besetzt aber während wir warten, können wir uns über gestern nacht unterhalten!“
„gestern nacht? was war da?“
„sagen sie es mir?“

oh mein gott, diesen satz kenne ich aus horrorfilmen!
entweder aufwachen, oder falls ich schon munter bin - dann weglaufen…nur so kann ich überleben.
während frau gisela, so heißt die obertante mir fragen übers gestern, heute und morgen stellt, schau ich mir die architektur des gebäudes an, welches jetzt sicher keine partyzentrale mehr ist, sondern eher etwas von einem krankenhaus hat. am ende des flurs steht jack daniel’s jesus und bewacht die notfall tür.
durch diese muss ich laufen und dann wird alles gut.
vermutlich hab ich gestern was blödes getan, womöglich einen zuviel getrunken – aber das kann ja jedem mal passieren!
leise spreche ich zu mir selbst. „wenn ich hier lebend rauskomme, ohne entmündigt zu werden, dann trink ich nie wieder!“
gisela redet weiter darüber, dass wir freunde sind und sie viele freunde hat und wir uns alle mal zusammensetzen sollten, am besten gleich.
sie will mit mir in einen anderen raum gehen.
an einem anderen tag, zu einer anderen zeit, würde ich jetzt dreckig grinsen und mitgehen aber heute, heute geht es um leben und tod.

um mein leben.

ich muss weg.

ich werde mich bessern.
nickend stimme ich gisela zu und warte auf meine chance.
wir stehen auf und gehen auf die tür zu, wo gruppenraum 1 draufsteht. ca. 20 m bis zum notausgang - welcher jetzt unbewacht ist?
vermutlich gibt mir jesus ein zeichen und wir treffen uns nacher noch in der bar.
mein leben, meine chance, ich reiß mich von gisela los, welche meine hand streichelt und renne zum ausgang.

wenige meter trennen mich…

klatsch…

noch stehend falle ich in ohnmacht und gleite an der plexiglas tür hinunter. gisela und ihre söldner, haben gewonnen. geil vor freude über ihren sieg tragen sie mich zu viert in den „ruheraum“.
keine ahnung was gestern war, aber wenn ich munter werde fängt vermutlich alles wieder von vorne an.

28.6.08 11:32

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