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homo faber

Inhalt:
Walther Faber, der Protagonist des Buches ist Techniker, und als solcher bei der prestigeträchtigen UNESCO angestellt. Ein Mann der im Auftrag einer Weltverbesserungsorganisation sein Geld verdient, nicht um ein persönliches gutes Werk zu tun, sondern schlicht weil es eine gute Anstellung ist. Faber ist Schweizer, als solcher möglicherweise schon der Herkunft wegen abgeneigt zu viele Emotionen zu zeigen. Die Schweizer der Nachweltkriegsära haben gelernt, ihre Meinung für sich zu behalten, wen geht diese auch an. Ein Karrieremensch also, trotz seiner fehlenden Emotionalität immer noch sympathisch, ein wenig zynisch vielleicht, seinem Beruf als Ingenieur allerdings vom Wesen her vollkommen angepasst. Eine Geschichte aus seiner Vergangenheit passt jedoch nicht unbedingt in sein rational organisiertes Leben. In den 30er Jahren führte, der damals noch in Zürich lebende, Faber eine Beziehung mit einer deutschen Halbjüdin, der nach Machtergreifung der Nazis die Abschiebung und somit der baldige Tod drohte. Zeitgleich teilt Hanna Walther mit, dass sie ein Kind von ihm erwartet. Aus rein rationalen Gründen, nämlich dem Schutz von Leben nicht jedoch aus Liebe, möchte Faber Hanna daraufhin heiraten. Zur darauf folgenden informellen Hochzeit erscheint Hanna jedoch nicht. Der Grund hierfür war vermutlich Fabers Aussage: "Wenn du dein Kind haben willst, müssen wir natürlich heiraten!" Beim nächsten Zusammentreffen teilt Hanna Walther mit, sie werde das Kind nicht bekommen. Die Entscheidung hierfür akzeptiert Faber als die Ihre, und gibt ihr sogar den Rat sich an seinen Freund, den Mediziner Joachim Hencke zu wenden. Danach verlässt Faber die Schweiz für einen Auftrag in Baghdad. Die nächsten 20 Jahre lebt Faber sein Leben ganz normal weiter, ohne unnötige Zwischenfälle. Mit der Anstellung bei der UNESCO hat sich sein Wohnsitz nach New York verlagert, er selbst ist aber ohnehin meist auf Reisen, um Projekte rund um den Globus zu überwachen. Seine New Yorker Geliebte behandelt er zwar mit Respekt, dennoch nimmt sie in seinem Denken eher den Status eines Spielzeuges oder Genussmittels ein. Eben weil er so denkt beschließt er auf einer Reise nach Südamerika sich von ihr zu trennen. Mit der Notlandung seines Flugzeuges in der Wüste von Tamaulipas, setzt eine Kette von Zufällen ein, die sein Leben vollständig aus den Fugen werfen. Zuerst schreibt er einen Abschiedsbrief an seine Geliebte Ivy in New York, und schließt somit für sich mit diesem Thema ab. Einer seiner Reisegefährten stellt sich dann als der Bruder Joachims heraus, der seinen Bruder auf dessen Tabakplantage besuchen möchte. Spontan entscheidet sich Faber ihn zu begleiten, um Joachim wieder zu sehen. Ein weiterer Grund hierfür, ist vermutlich dass er erfuhr, dass Joachim und Hanna für einige Zeit verheiratet waren. Als die Beiden die Plantage erreichen, können sie allerdings nur noch den Selbstmord Joachims feststellen, woraufhin Faber zurückreist, während Joachims Bruder Herbert den Farmbetrieb übernimmt. Faber kehrt nach New York zurück, wo Ivy so tut, als wäre nichts geschehen. Um ihr entgültig zu entgehen, bucht er für den nächsten Tag eine Schiffspassage nach Europa, für welche er nur durch einen abstrusen Zufall noch ein Ticket bekommt. Auf dem Schiff lernt der mittlerweile über 50 jährige Faber schließlich ein junges Mädchen namens Elisabeth kennen, zu welchem er sich von Anfang an hingezogen fühlt. Aus, wie er sich einredet, rein rationalen Gründen, durchreist er schließlich ganz Europa mit ihr. Seine Begründung hierfür ist, dass es viel zu gefährlich für sie wäre, allein so weit zu reisen. Die Tour geht durch Frankreich, Italien, nach Griechenland wo die Mutter von Sabeth, wie er sie nennt, bei einem archäologischen Institut arbeitet. Während der Reise entwickelt sich die Beziehung zwischen den Beiden auf eine Art, die Walthers Rolle ständig vom belehrenden und beschützenden Vater zum begehrenden Liebhaber und zurück wechseln lässt. Während der Reise findet Faber jedoch heraus, dass Sabeth Hannas Tochter ist. unterbewußt zieht er dann wohl von vornherein in Betracht dass er ihr Vater sein könnte, überzeugt sich allerdings immer wieder selbst davon, dass Sabeth Joachims Kind sein müsse. Ein weiterer Zufall zerstört auch diese synthetische Harmonie. Während Walther und Sabeth an einem Strand bei Korinth baden, wird sie von einer Schlange gebissen, und stürzt ohnmächtig eine Klippe hinab. Die Folge ist ein erneutes Zusammentreffen mit Hanna im Athener Krankenhaus. Walther informiert sie über die Geschehnisse, und will sie mit Hilfe von Statistiken überzeugen, dass alles gut gehen wird. Hanna glaubt nicht an Statistiken. Am nächsten Tag stirbt Elsbeth, Hannas Name für ihre Tochter. Faber erfährt schlussendlich, dass sie tatsächlich auch seine Tochter war. Hanna die sonst stets ihre Fassung behält, schlägt am Totenbett wild auf Walther ein, was dieser hin nimmt, nicht weil er sich schuldig fühlt, sondern weil er dies als ihre Art der Trauerbewältigung akzeptiert. Wenig später verlässt Faber Griechenland, und reist noch ein Mal um die Welt. Seine chronischen Magenbeschwerden machen ihm stark zu schaffen. Seine Montage in Caracas kann er nicht beaufsichtigen, weil er mit Schmerzen im Hotel liegt. Seine Wohnung in New York hat ohne sein Wissen den Besitzer gewechselt. Herbert auf seiner Tabakplantage hat sich mit dem indiotypischen Leben abgefunden, und somit in Walthers Augen den Verstand verloren. Im selbst geht es schlecht. Seine emotionalen Probleme überspielt er mit technischer Routine, Flucht in seine Arbeit hinein. Seinen Magenproblemen kann er nicht entgehen. Ein letztes mal zurück nach Athen, dabei seine Kündigung bei der UNESCO. Er möchte zu Hanna. Einlieferung in ein Krankenhaus zur Operation, wieder Statistik - statistisch gelingt diese Operation in 94 von 100 Fällen.. Hanna kommt ins Krankenhaus und kümmert sich am Vorabend der Operation mir rührender Fürsorge um ihn. Hanna glaubt nicht an Statistiken. In der Nacht beendet er seine Aufzeichnung, über alles was geschah, und versieht sie nachher mit der Notiz - im Todesfall alles verbrennen weil alles nur gelogen sei. Zum Schluss nur der nüchterne Vermerk "Sie kommen"


Kommentar:
Schon allein der Titel Homo Faber weist auf Intention und Motiv des Buches hin. Homo Faber, der machende, der erschaffende Mensch. Walther Faber, der Protagonist des Buches. Der Techniker, derjenige der erschafft. Ein Mann der die Welt kontrollieren will, der nach außen hin stark ist, sich keine emotionale Manipulation von Entscheidungen erlaubt. Somit gewissermaßen der Archetyp des Mannes ansich. Weltanschauung und Interessensgebiete verschmelzen. Der Reiz am Flugzeugfliegen oder an einer Kreuzfahrt sind die Mechanismen die Schiff und Flugzeug antreiben. Der Reiz and antiken Bauten ist die architektonische Fertigkeit im Bezug auf Statik und Haltbarkeit. Der Himmel besteht materiellen Himmelskörpern mit feststehenden Massen, Strukturen und Umlaufbahnen.
Im Kontrast zu Faber die weibliche Komponente. Hanna, Ivy, Sabeth, wieder Hanna. Auch die Charaktere der Frauen sind so dargestellt dass sie dem weiblichen Archetyp nahe kommen. Unbefangen, mystisch, ein wenig naiv, Schutz suchend. Das Interesse verknüpft sich mit ausgeprägtem ästhetischem Empfinden und gilt den schönen Dingen wie Blumen, Wolkenformationen, den Sternen, Kunstwerken und Spiritualität, Dingen ohne praktischen Nutzen und rationalen Zweck. Auch wenn Hanna im zweiten Teil des Buches mit diesen Stereotypen teilweise bricht und sich männertypisch weitgehend auf Notwendigkeiten beschränkt und sich bemüht so rational als möglich zu handeln. Im Gegenzug dazu weicht Fabers Panzer des geordneten Lebens zum Ende hin mehr und mehr auf und ergibt sich der Einsicht im Leben Fehler gemacht zu haben. Dennoch behalten beide Charaktere bis zum Ende weitestgehend ihre grundlegenden Charaktereigenschaften. Fabers sachliche Denkstrukturen spiegeln sich in seinem Ausdruck wieder. Verknappte Sätze und Satzfragmente minimalisieren den Sprachaufwand, jedoch ohne dabei auf Informationen zu verzichten, es werden schlicht "unnötige" Satzbestandteile einfach hinfort gelassen.

Ganz allgemein spiegelt Walther Faber für mich somit eine Art von Person wieder wie ich sie vielfach kenne, seine grundlegenden Charakteristika stecken in vielen Menschen, wenn auch mehr oder weniger stark entwickelt. Prinzipiell ist er ein Mensch wie jeder andere. Er hat Gefühle, Sorgen, Probleme. Ihm Fallen Dinge auf die anderen Menschen auffallen, er sieht was andere Menschen sehen. Sein Problem ist nur dass er nichts an sich persönlich herankommen lassen will, ein Art des Selbstprotektivismus der bei vielen Leuten beinahe ähnlich stark ausgeprägt ist, bei Manchen möglicherweise sogar stärker. Dadurch das Emotionen besonders in der Öffentlichkeit vermieden werden soll der Umwelt möglichst wenig Angriffsfläche für Verletzungen gegeben werden. Getreu nach dem Motto, wenn nichts an mich rankommt, kann mir auch nichts passieren. Faber sieht Dinge und betrachtet sie technisch-rational weil dies die einzige Möglichkeit ist garantiert zu keiner Fehleinschätzung zu kommen. Jegliche Beurteilung von Situationen oder Eindrücken die nicht streng rational ist kann zwar falsch sein, wenn sie es aber nicht ist kann sie weit über den rationalen Erfahrungshorizont hinweg gehen, die Welt kann intensiver Erfahren werden. Man kann das Risiko eingehen Menschen zu vertrauen und dabei kann man herb enttäuscht werden, andererseits kann der Gewinn aus einem solchen Vertrauensblankocheck auch eine Freundschaft fürs ganze Leben oder zumindest eine temporär beschränkte angenehme Zeit miteinander sein.
Der wesentlichste Unterschied zwischen Buch und Realität ist meines Erachtens jedoch das Frisch dieses Phänomen als im Grunde männliches darstellt, womit er im Grunde auch Recht gehabt haben mag. In den letzten Jahrzehnten hat sich jedoch im Zuge der Emanzipation die klare Zuordnung des Denkens in Geschlechterspezifischen Rollen aufgeweicht, Frauen wollen mehr und mehr männliche Qualitäten erlangen. Da zu diesen vor allem Durchsetzungskraft und präsentierte Stärke nach außen zählen fallen sie jedoch dem Trugschluss zum Opfer dass eine emotionale Abschottung nach Außen ein Akt der Stärke ist, auch wenn es oft als solche Missverstanden wird. Dass die Folgen solches Verhaltens Krankheit und körperlicher Zussamenbruch sein können Stellt der Roman auf sehr elegante Art und weise dar, ohne irgendjemandem dabei persönlich nahe zu treten.

1 Kommentar 11.4.07 20:56, kommentieren

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